Der Enkel stieß seine Großmutter zum Spaß in den See, obwohl er genau wusste, dass sie nicht schwimmen konnte und Angst vor Wasser hatte. Verwandte waren in der Nähe und lachten, aber keiner von ihnen konnte sich auch nur vorstellen, was diese Frau tun würde, sobald sie aus dem Wasser war.

Er tauchte wieder unter, und einen Moment lang herrschte Stille. Doch als er hustend wieder auftauchte, brach das Gelächter erneut aus.

„So, jetzt reicht's aber mit diesem Zirkus, verschwindet von hier!“, sagte die verärgerte Schwiegertochter.

Niemand reichte die Hand.

Irgendwann gelang es ihr endlich, sich am Rand des Stegs festzuhalten, sich auf die Ellbogen abzustützen und sich mühsam herauszuziehen. Sie lag auf den Planken, atmete schwer, Wasser tropfte ihr aus dem Haar und ihre Lippen zitterten.

Das Lachen verebbte allmählich.

Sie stand auf. Lange sah sie sie an, ohne zu schreien, ohne Hysterie. Nur ein Blick ohne Tränen oder Bitten.

Und dann tat er etwas, das sie schockierte.

Das Wasser rann ihr über die Wangen, ihr Kleid klebte an ihrem Körper, ihre Hände zitterten nicht vor Kälte, sondern vor Scham.

Der Enkel lächelte noch immer, wenn auch jetzt etwas weniger selbstsicher.

—Oma, ach, das war doch nur ein Scherz…

Sie antwortete nicht. Langsam holte sie das Handy aus ihrer Tasche. Ihre Finger waren nass, aber sie hielt es fest.

— Hallo. Polizei? Ich möchte einen versuchten Mord anzeigen. Ich habe Beweise. Das Video wird helfen.

Ihre Gesichtsausdrücke veränderten sich augenblicklich.

„Was machst du da?“, flüsterte die Schwiegertochter und wurde blass.

—Was ich schon vor langer Zeit hätte tun sollen—, sagte die Frau ruhig.

Die Schwiegertochter erschrak plötzlich und versuchte, die Aufnahme von ihrem Handy zu löschen.

»Wir löschen jetzt alles und gehen nach Hause, Mama, mach keine Szene«, warf ihr Sohn ein.

Doch die alte Frau war schneller. Sie riss ihrer Schwiegertochter das Telefon so grob aus der Hand, dass diese gar keine Zeit zum Reagieren hatte.

„Versuch es gar nicht erst“, sagte er leise.

Zum ersten Mal hörte der Enkel auf zu lächeln.

—Oma, das ist doch nicht dein Ernst…

„Dein ungezogener Sohn wird schon bekommen, was er verdient“, unterbrach sie ihn und sah ihre Schwiegertochter an. „Und du wirst es bereuen, so jemanden erzogen zu haben. Obwohl er eben genau wie du geworden ist.“

Sein Sohn trat vor.